Angelicas Umbrien Insider Insights: Die Cappuccino-Frage

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Inzwischen kennt sie bestimmt schon (fast) jeder: Die Regel, dass man nach 11 Uhr in Italien keinen Cappuccino trinken soll – oder sogar darf! Aber warum ist diese eiserne Regel in Italien so stark kulturell geprägt? Das fragt sich der Italienurlauber, wenn er nach einem guten Essen in der Trattoria zum krönenden Abschluss einen feinen Cappuccino bestellt und sofort von der gesamten Belegschaft herablassend belächelt oder gar schief angesehen wird. Mancherorts wird dem Gast sein Cappuccino sogar verweigert – fast so wie die Ananas auf der Pizza … aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Die Cappuccino-Regel basiert unter anderem auf gesundheitlichen und kulinarischen Überlegungen, insbesondere im Hinblick auf die Verdauung und die Ausgewogenheit der Mahlzeiten. In Italien herrscht die Meinung, dass Milchprodukte die Verdauung verlangsamen können. Ein Cappuccino – also ein Espresso mit viel Milch – wird daher nur zum Frühstück getrunken, um den Magen für den Tag vorzubereiten. Er gilt – oft gepaart mit einem süßen Hörnchen – als komplette Mahlzeit. Nach dem Mittagessen oder Abendessen trinkt man dann einen Espresso, da das Koffein die Verdauung unterstützt und dem Körper hilft, sich nach einer reichen Mahlzeit zu erholen. Ein Cappuccino könnte diesen Prozess beeinträchtigen und wird nach 11 Uhr, spätestens um 12 Uhr, konsequent vermieden. Diese Tradition ist tief in der italienischen Kaffeekultur verwurzelt und gilt als universell.

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Nun fragt man sich aber: Was interessiert den Restaurantbesitzer oder der Kellnerin die Verdauung ihrer Gäste? Natürlich wollen sie, dass es dem Gast nach dem Essen nicht übel wird und dass er wohlgenährt und fröhlich nach Hause geht und vielleicht am nächsten Abend auch wiederkommt. Gastfreundschaft wird ja wirklich groß geschrieben in Italien. Dennoch, es geht nicht ausschließlich um das Wohl der Gäste, sondern auch um die eigene Ehre.

Wie jetzt? Ist diese Regel jetzt schon so arg, dass es sogar beleidigend wirken könnte, wenn ich nach dem Essen einfach genüsslich meinen Cappuccino schlürfen will?

Irgendwie schon, aber lasst mich das genau erklären. Wie schon oben erwähnt, gilt ein Milchkaffe – also ein Cappuccino – bereits als komplette Mahlzeit. Wenn ein Gast jetzt nach dem Essen noch einen Cappuccino „braucht“, dann würde das doch bedeuten, dass es ihm oder ihr vielleicht nicht so richtig geschmeckt hat, oder … Gott bewahre! …, dass das Essen nicht ausreichend war! Und das geht ja mal gar nicht! Wenn Menschen hungrig aus meinem Restaurant gehen, dann ist das die größte Schmach.

Also, wenn man wirklich nicht darauf verzichten möchten, nach dem Essen einen Cappuccino zu genießen, sollte man einfach noch einmal betonen, dass man a) sich als Turi dieses Fauxpas durchaus bewusst ist, dass man b) da jetzt wirklich Lust darauf hat und b), dass es wirklich total lecker und ausreichend war. Dann gehen alle mit einem Lächeln nach Hause.