Daniel in Italien Teil #2: La macchina – das Auto

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Autofahren in Italien – und somit auch in Umbrien – ist so ähnlich wie in Deutschland. Nur anders. Auch hierzulande fährt man auf der richtigen Seite der Straße. Es gelten die gleichen Verkehrsregeln, und Verstöße gegen dieselben, können sauteuer sein. So weit, so gut. Was allerdings gewöhnungsbedürftig ist, das sind die ungeschriebenen Gesetze der Straße und die individuelle, grundsätzlich recht freizügige Auslegen eben besagter Reglementierungen.

In diesem Blogbeitrag möchte ich dir meine Einblicke, Erfahrungswerte und Erkenntnisse darlegen, die ich in unserem feuerroten, klassisch italienischen und ikonischen Auto auf Italiens Straßen gesammelt habe. Doch zuvor muss eines unbedingt gesagt sein:

Befolge immer alle Verkehrsregeln in Italien!

Verkehrsregeln existieren zu Recht, um den Straßenverkehr bestmöglich für alle Teilnehmer:innen sicher zu machen. Wenn du dich nicht daranhältst, dann stellst du ein Gesundheitsrisiko für dich und für andere dar.

Halte dich an die Verkehrsregeln. Fahre vorausschauend. Nutze deinen gesunden Menschenverstand hinterm Steuer.

Mach dich schon im Vorfeld deines Urlaubs in Umbrien schlau, worauf du im italienischen Straßenverkehr achten muss. Einen guten Überblick gibt zum Beispiel der ADAC. Etwas mehr ins Detail geht die EU auf ihrer Website.

OK? Hältst du dich dran? Versprochen?

Gut … damit habe ich wenigstens ansatzweise meinen Allerwertesten aus der rechtlichen Schusslinie geholt und kann nun aus dem Nähkästchen, beziehungsweise dem Handschuhfach plaudern.

Verkehrsregeln in Italien – zwischen Theorie und Praxis

Egal ob auf der Landstraße, der Autobahn und/oder in Ortschaften:

Verkehrsregeln werden in Italien nicht als Vorschriften, sondern viel eher als Vorschläge betrachtet.

Um das zu verdeutlichen, möchte ich mich – wie in meinem Artikel „fare una bella figura“ – auf das geniale Buch von Beppe Severgnini berufen. Darin schreibt er:

„In Italien werden Regeln nicht befolgt wie anderswo. Wir sehen das blinde Folgen von Vorschriften als eine Beleidung unserer Intelligenz. Gehorsam ist langweilig. Wir möchten entscheiden, ob eine bestimmte Gesetzgebung zu unserem spezifischen Fall passt. An diesem Ort und zu dieser Zeit.“

Das erinnert mich auch an die Straßen Ägyptens. Mein Freund Abdu hat sich damals vor Lachen fast eingenässt, als ich ihm erzählte, dass wir in Deutschland auch nachts um vier, wenn kein anderes Auto auf der Straße ist, vor einer roten Ampel halten.

Und noch ein Tipp, wenn du in deinem Umbrien Urlaub mal zu Fuß unterwegs bist: Lass dich von Zebrastreifen nicht verführen. Die gelten hier im besten Fall als Street Art. Wenn du dagegen artig anhältst, um dem oder der jetzt sicherlich verwirrten Fußgänger:in den Weg freizumachen, dann mach dich auf ein Hupkonzert gefast. Wenn die Bahn frei ist, dann ist sie frei. Basta! Wobei ich da – ganz ehrlich – aus meiner Haut nicht herausschlüpfen kann und lieber ein Hupkonzert (oft gepaart mit sehr blumiger, nonverbaler Kommunikation) in Kauf nehme.

Überholen ist in Italien Volkssport

Mafalda – unser treues, feuerrotes und für Italien ikonisches Auto ist weder flach noch schnell. Sie hat zwar ein F im Namen, aber keinen Pferd als Logo. Mafalda ist ein Fiat Panda. Modell: Basic. Gefühlte 45 PS unter der Haube, doch dafür mit Ladekapazitäten ausgestattet, die man ihr nicht zutraut. Hier der Beweis:

So oder so fällt unsere geliebte Knutschkugel in der automobilen Hackordnung direkt in die Kategorie „gefressen werden“. Da schenken sich die Deutschen und Italiener nichts. Kleine Autos sind im Weg.

Und in diesem Moment fallen auch jegliche Geschwindigkeitsbegrenzungen in eine Grauzone, die auf Italiens Straßen mit einer beeindruckenden Innbrunst gelebt wird. Bei den meisten Überholmanövern geht es nicht darum, früher anzukommen. Es geht darum schneller zu sein. Ganz besonders, wenn man ein Auto vor sich hat, das dem eigenen „unterlegen“ ist.

Mach dich darauf gefasst, auch in Ortschaften mit einem Affenzahn überholt zu werden. 50 km/h? Vergiss es! Noch krasser ist es in Baustellenzonen auf der Autobahn. Wenn du dich hier an die vorgegebenen Beschränkungen hältst, dann stellst du tatsächlich eine Gefährdung dar. Mein Tipp: Halte dich auf den Autobahnen an den Verkehrsfluss. Auch wenn der lockere vierzig Stundenkilometer schneller ist als die vorgeschriebene Geschwindigkeit.

In Ortschaften halte ich mich relativ strikt an die Regeln. Aus Prinzip. Wer meint, mich hier überholen zu müssen, der kann das gerne tun. Auch wenn mir bei so viel Unvernunft das Messer im Hosensack aufgeht. Ansonsten fahre ich auf Landstraßen und Autobahnen, wenn es die Situation zulässt, nicht schneller als 20 km/h über der jeweiligen Geschwindigkeitsbegrenzung.

Wichtig: Ich will dich auf keinen Fall dazu animieren, die Verkehrsregeln zu brechen. Ich möchte dich lediglich darauf einstellen, was dich auf Italiens Straßen erwartet. Und es muss auch gesagt sein, dass die Verkehrsteilnehmer:innen in Italien nicht alle völlig anarchistisch durch die Gegend heizen. Sie gehen einfach etwas freizügiger mit den Verkehrsregeln um. Das kann allerdings echt teuer werden.

Bußgelder in Italien

Seit 2022 herrschen in Italien verschärfte Strafen für Delikte im Straßenverkehr. Das ergibt auch Sinn, denn die Unfallstatistiken der vorhergehenden Jahre haben wohl ein eher dunkles Bild gezeichnet. Ganz weit oben im Visier der Polizei: Trunkenheit und Handynutzung am Steuer.

Wenn du zu diesem Thema durch Netz surfst, dann findest du zahlreiche Seiten, die hier genaue Informationen liefern. Zum Beispiel: Bussgeld-Info.de.

Dann spielt es auch eine Rolle, wie die Beamten drauf sind, die dich anhalten. Und noch etwas: Wer glaubt, dass in solchen Situationen Bestechung in Italien zu den gängigen Lösungswegen zählt, der irrt sich zu 99 % aller Fälle gewaltig.